Im Krieg den Frieden vorbereiten

Spendenaufruf von CENÎ – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.

für das Frauenzentrum SARA zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen

in Qamişlo, Rojava (Nordsyrien)

 

Seit Anfang 2011 herrscht in Syrien Krieg. Die kurdischen Gebiete im Norden Syriens (Rojava) waren anfangs wenig von den kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen und wurden zum Zufluchtsort vieler Menschen, die als verfolgte Minderheiten aus den Kampfgebieten flüchten mussten. Im Juli 2012 gelang es der Bevölkerung in Rojava, die marode syrische Zentralregierung aus den kurdischen Gebieten zu vertreiben. Seit Sommer 2013 jedoch müssen sie sich zunehmend gegen die brutalen Angriffe islamistischer Söldnergruppen wehren, die die Bevölkerung ganzer Dörfer regelrecht abschlachten. 

Der kurdischen Bevölkerung ist es gelungen, eine demokratische Selbstverwaltung aufzubauen und das Leben im Krieg zu organisieren. In allen Gremien dieser noch vor kurzem konservativen, patriarchalen Gesellschaft sind Frauen mit einer Quote von 40% vertreten, bei den bewaffneten Volksverteidigungskräften kämpfen 35% Frauen, davon ein Großteil in den neu gegründeten autonomen Frauenverbänden. Die Befreiung der Frau bildet einen wesentlichen Grundsatz im Neuaufbau der Gesellschaft, was sie und den gesellschaftlichen Neuaufbau zum Angriffsziel der fundamentalistischen islamistischen Gruppen werden lässt. Darüber hinaus geraten insbesondere Frauen im Krieg und durch erzwungene Flucht in Situationen, in der sie neben bitterer Armut auch sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen bis hin zu Menschenhandel ausgesetzt sind.

Mitten im Krieg lernen die Menschen in Rojava jedoch, eine alternative Gesellschaft zu gestalten und zu verteidigen, in ihr zu leben und sich mit ihr zu verändern. Frauenräte und Frauenakademien spielen dabei eine große Rolle und die Situation von Frauen konnte bereits wesentlich verbessert werden. Trotz der vielen Strukturen, die bereits aufgebaut wurden, besteht ein großer Bedarf an Einrichtungen, die Frauen bei einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen.

Am 1.7.2013 wurde der Frauenverein SARA in Qamişlo (Rojava) gegründet zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen: „Wir möchten als Frauenverein SARA während des Krieges und danach Gewalt gegen Frauen verhindern und für die individuelle Freiheit der Frauen kämpfen.“ beschreibt Mona Abdulselam, eine Sprecherin des Vereins, in einem Interview das Ziel des Vereins.

SARA organisiert u.a. Kampagnen und Demonstrationen, um auf die in der Gesellschaft verwurzelten patriarchalen Gewohnheiten wie das Schlagen, Erniedrigen und Ermorden von Frauen hinzuweisen und sie zu überwinden. Es werden Seminare und Vorträge durchgeführt, in denen Frauen über ihre Rechte aufgeklärt und ermutigt werden, die erlittene Gewalt anzuzeigen. Es besteht hohe Nachfrage nach juristischer Beratung aber auch der Vermittlung von Arbeit und dem Erlernen eines Berufes.

Wir als CENÎ möchten die Arbeiten von SARA unterstützen, die sich bisher nicht ausreichend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren. Mit unserer und Ihrer Hilfe soll ein Zentrum entstehen mit Büro, Küche, Seminar- und Ausbildungsraum, Raum für Kinderbetreuung und der Möglichkeit, von Gewalt betroffene Frauen zu schützen und unterzubringen.

SARA wünscht sich neben der finanziellen Unterstützung auch einen Austausch mit anderen Frauengruppen, besonders in Nordkurdistan, wo eine vergleichbare Veränderung der Gesellschaftsstrukturen stattfindet. Im Frühjahr konnte eine Delegation trotz Krieg und Grenzblockade nach Amed (Diyarbakır) reisen. Auch Austausch mit anderen syrischen Frauengruppen ist geplant, sobald dies wieder möglich ist.

Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung.

Das gesammelte Geld wird zeitnah durch eine Delegation in Rojava übergeben.

Kurdistan Hilfe e. V., Hamburger Sparkasse IBAN: DE40200505501049222704, BIC: HASPDEHHXXX, Stichwort: SARA

Erstunterzeichnerinnen:

Dr. Gisela Penteker (Ärztin, IPPNW e.V. – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung)

Brigitte Kiechle (Rechtsanwältin und Autorin)

Annette Groth (Mitglied des Bundestages, Fraktion die LINKE)

Songül Karabulut (Vorsitzende der Kommission für auswärtige Angelegenheiten im Kurdischen Nationalkongress KNK)

Barbara Cárdenas (Sprecherin für Bildung, Migration, Petitionen und Tierrechte, Fraktion DIE LINKE im Hessischen Landtag)

Dr. Muriel González Athenas (Universität zu Köln)

Eva Klippenstein (Flüchtlingsberaterin und Vorstandsmitglied des Düsseldorfer Flüchtlingsrats)

Marion Padua (Stadträtin Linke Liste Nürnberg)

Heike Geisweid (Rechtsanwältin und Vorsitzende von Verein für Demokratie und internationales Recht MAF-DAD e.V.)

Brigitte Wolf (Stadträtin der LINKEN in München)

Dr. Dersim Dagdeviren (Ärztin und Vorsitzende des Netzwerks kurdischer AkademikerInnen e.V. KURD-AKAD)

Anja Flach (Ethnologin, Nujiyan Frauenzentrum e.V. Hamburg)

Ulla Jelpke (Mitglied des Bundestages, Fraktion die LINKE)

Britta Eder (Rechtsanwältin, Hamburg)

Bärbel Beuermann (Lehrerin und SPD Mitglied)

Dr. Arya Isa (Ärztin und Europa-Vertreterin der Frauen der PYD, Prokurdische Partei Rojava)

Cansu Özdemir (Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, Fraktion die LINKE)